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Die Geschichte der Post


Die Geschichte der Post ist eng mit der Geschichte der Schrift verbunden. Schon in der Vorantike und der Antike gibt es die ersten Ansätze eines geordneten Nachrichtenwesens, hauptsächlich zu staatspolitischen oder militärischen Zwecken, ohne der Allgemeinheit zur Verfügung zu stehen.
Dieser Artikel behandelt die Ursprünge des Postwesens bis zur frühen Neuzeit und gibt einen Ausblick auf die Weiterentwicklung in den verschiedenen Ländern.


Die Post in der Antike


Die Anfänge in Ägypten und Babylonien


Erste Ansätze eines geregelten Postverkehrs gab es im Alten Ägypten, in Babylonien und Mari (Mari-Briefe).
Die Alten Ägypter nutzen den Nil als Hauptverkehrsader, um Nachrichten durch Schiffsreisende zu übermitteln. Die ägyptischen Pharaonen pflegten den Kontakt mit weit entlegenen Provinzen zusätzlich mit zahlreichen Fußboten. Diese mussten in der Lage sein, weite Strecken in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen. Ein geordnetes Postwesen im heutigen Sinn gab es im Alten Ägypten dagegen noch nicht.
Erst im Neuen Reich gab es offizielle Briefboten, sowohl Fußboten, aber auch reitende Briefboten. Ebenso ist aus hethitischen, ugaritischen und ägyptischen Quellen, besonders den Amarna-Briefen ein reger Nachrichtenaustausch mit den benachbarten Großreichen und den Vasallenstaaten bekannt. Nach Dokumenten aus der Handwerkersiedlung von Deir el-Medina lag die innerägyptische Nachrichtenübermittlung in den Händen der Polizei.


Die oft in der postgeschichtlichen Literatur behauptete Einsetzung von Brieftauben zur Postbeförderung ist dagegen historisch umstritten. Zwar wurden bei der Krönung eines Pharaos oder beim Minfest vier Tauben als Boten ausgesandt, was man aber noch nicht als geregelte Taubenpost bezeichnen konnte. Die eigentliche Taubenpost wurde wahrscheinlich erst in römischer oder frühislamischer Zeit in Ägypten eingeführt.


Zahlreiche Informationen über das Postwesen im spätzeitlichen ptolemäischen Ägypten unter griechischen Herrschern liefert der Hibe-Papyrus, der um 255 v. Chr. anzusetzen ist. Dieses Dokument war eine Art Kontrollbuch eines Postboten, in welchem jede Auslieferung von Postsendungen vom Empfänger bestätigt wurde. Der Papyrus schildert Einzelheiten über die damalige Postbeförderung, die Postsendungen, die Adressaten und die Empfänger. Der Papyrus beginnt mit folgenden Worten:
»Am 16. übergab N. N. dem Alexandros sechs Stück, und zwar: An den König Ptolemäus ein Briefpaket, an den Finanzminister Apollomios ein Briefpaket sowie zwei Briefe, die an das Briefpaket angebunden sind, an den Kreter Antiochus ein Briefpaket, an Mendoros ein Briefpaket, an Chelos ein Briefpaket vereinigt mit den anderen. Alexandros übergab die Sachen dem Nikodemus am 17. ... «
Im 1. Jahrhundert v. Chr. schrieb Diodorus Siculus: „Sobald (der König) bei Tagesanbruch aufgestanden war, hatte er zuerst die von allen Seiten einlaufenden Briefe selbst in Empfang zu nehmen, damit es alles desto weislicher einrichten und behandeln konnte, nachdem er alles, was im Reiche geschehen war, vollkommen in Erfahrung gebracht hatte“.


Persien


In Persien wurde von König Kyros II. (550–529 v. Chr.) ein eigenes Postwesen eingerichtet. Die Nachrichtenübermittelung fand hauptsächlich durch berittene Boten statt. Es gibt jedoch Aufzeichnungen, die behaupten, dass es schon viel früher ein Postsystem gab. Nichtsdestoweniger ließ Kyros II. eigene Poststationen in regelmäßigen Abständen auf den wichtigsten Verkehrsrouten einrichten. Sie waren ungefähr eine Pferdetagesreise entfernt und dienten den Boten als Zwischenstationen.
Herodot (ca. 484−424 v. Chr.) berichtete von den persischen Angareion, berittene Boten, die zwischen festen Stationen, die gewöhnliche eine Tagesreise voneinander eingerichtet waren, die Post bei Wind und Wetter beförderten und die Nachricht dem nächsten Boten übergaben. Von dieser Einrichtung berichtet auch Xenophon. Diodor beschrieb eine ähnliche Einrichtung unter Antigonus im heutigen Palästina.
Daneben gab es nach Diodor auch persische Rufposten. Über eine Entfernung von bis zu 30 Tagesreisen waren im Abstand Bewohner mit kräftigen Stimmen postiert. Sie schrieen nun die verstandene Nachricht von Ort zu Ort. Es wird dabei eine feste Regel gegeben haben; was dabei zuweilen heraus kommen kann, kennen wir von der "Stillen Post".
Das persische Postsystem mit Relaisstationen wurde bald von anderen Hochkulturen nachgeahmt.


Griechenland und Römisches Reich




Kaiser Augustus


In Griechenland konnte auf Grund der zahllosen und z.T. miteinander zerstrittenen Stadtstaaten zunächst kein eigenes Postwesen entstehen. Es gab nur einige Fußboten, die zur Überbringung von Nachrichten eingesetzt wurden. Diese Hemerodrome genannten "Tagläufer" (so die wörtliche Übersetzung) erwiesen sich schneller als die Boten zu Pferde aufgrund der geographischen Beschaffenheit Griechenlands.
Der berühmteste dieser Boten ist zweifelsohne Pheidippides, der nach der Überlieferung Herodots 490 v. Chr. in zwei Tagen von Athen nach Sparta (ca. 240 km) gerannt war, um dort um Hilfe für die bevorstehende Schlacht bei Marathon zu bitten. Pheidippides überbrachte allerdings nur eine mündliche Nachricht. Dagegen ist unter den griechischstämmigen ptolemäischen Herrschern in Ägypten ein ausgeprägtes Postsystem nachweisbar.


Die Grundlagen für eine eigene Staatspost im Römischen Reich wurden von Gaius Iulius Caesar gelegt. Der römische Kaiser Augustus baute sie später beträchtlich aus. Die "Post" wurde damals cursus publicus genannt und unterstand direkt dem Kaiser. Der cursus publicus war nicht für private Sendungen zugelassen. Postsendungen wurden, soweit möglich, mit dem Schiff befördert. An Land bediente man sich des Pferdes. In Abständen von etwa 7 bis 14 km wurden hierzu Stationen für den Pferdewechsel eingerichtet. Mit dem Zerfall des Weströmischen Reiches verschwand auch der cursus publicus. Im Oströmischen Reich hielt er sich noch als Reichspost bis etwa 520.


Für private Post musste man andere Wege wählen: man gab sie etwa reisenden Freunden mit. Allerdings war damit manchmal auch eine lange Wartezeit verbunden; beispielsweise empfing Augustinus einmal einen Brief erst nach 9 Jahren. Waren die Distanzen nicht ganz so groß, so schickte ein Römer einen eigens dafür gehaltenen Sklaven, der am Tag zu Fuß bis zu 75 km zurücklegte.


Andere Hochkulturen


China


In China wurde die Post bereits in sehr weit zurückliegender, vorchristlicher Zeit durch staatlich bestallte Kuriere durchgeführt, die, je nach der zurückzulegenden Strecke, zu Fuß oder beritten die Zustellung vornahmen. Der Grundstein hierzu wurde während der Tschou-Dynastie (1122–256 v. Chr.) gelegt. Zu dieser Zeit unterstanden der Postdirektion 80 Boten sowie 8 Hauptkuriere, für die im Abstand von etwa 5 km Verpflegungsquartiere und in größeren Abständen Übernachtungsquartiere eingerichtet wurden. Diese Postsystem wurde während der Zeit der Qin-Dynastie (221–207 v. Chr.) und vor allem während der Han-Dynastie entscheidend ausgebaut. Die Poststationen gewährten den Kurieren Unterkunft und Verpflegung auf Staatskosten und sorgten für Pflege oder Ersatz der Pferde. Die Postvorstände dieser Stationen erhielten vom Staat volle Steuerfreiheit als Gegenleistung für ihre Bemühungen.


Zur Zeit des Mittelalters
Entwicklung in Europa




Postreiter vor 500 Jahren


Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches gab es in Europa nur noch ein reduziertes Nachrichtenübermittlungssystem. Überregionale Institutionen waren die katholische Kirche mit den missionierenden Mönchen wie Bonifatius und das Großreich der Karolinger, dass mithilfe von Boten vernetzt war. Für die Behauptung, dass bereits Karl der Große (768–814) über Pferdestafetten verfügte, fanden sich jedoch keine Beweise.
Im Hochmittelalter wurde die Nachrichtenübermittlung in Europa durch drei Einrichtungen dominiert, die katholische Kirche, die Könige in den verschiedenen Ländern und der europäische Fernhandel.
Die zentrale Lenkung der Kirche in Rom (bzw. 1309–1378 in Avignon) und die häufigen Papstwahlen erzwangen einen ständigen Schriftverkehr mit den Bistümern. Dazu gehörte auch die Einbindung der Klöster, die eigene Botendienste unterhielten. Auch die deutsch-römischen Kaiser und die Könige in Frankreich und England benötigten eine zentrale Kommunikation in ihren Ländern. Sie setzten aber in der Regel nur Fußboten ein, die manchmal auch Leihpferde von Herbergen an Reisestraßen oder Flussschiffe nutzten.
Im späten Mittelalter bildete sich in europäischen Städten wie Antwerpen, Augsburg, Frankfurt, Nürnberg, Leipzig, den Hansestädten wie Hamburg und Lübeck, dem Deutschen Orden, London, Marseille, Nowgorod und der Republik Venedig ein länderüberschreitender Fernhandel heraus, verbunden mit einem regen Schriftverkehr der länderübergreifenden Kaufmannspost. Im 15. Jahrhundert entstanden in Italien, im Deutschen Reich und in den Niederlanden große Bank- und Handelshäuser. Zentren waren Florenz, Mailand, Rom, Venedig, Augsburg, Brüssel und Antwerpen. Diese Häuser waren miteinander vernetzt.
Einen privaten Briefverkehr gab es im Mittelalter kaum. Pergament war teuer. Erst die Einführung von billigem Papier führte ab dem 15. Jahrhundert zu einem wachsenden Schriftverkehr. So transportierten Marktschiffe an Flüssen auch Schriftstücke. In vielen Regionen Deutschlands übernahmen Metzger den Austausch von Briefen. Auch Universitäten unterhielten Botendienste, so etwa in Paris. Bedeutend wurden auch die städtischen Botenanstalten im Deutschen Reich. Sie beförderten gegen Bezahlung private Briefe und die Kaufmannspost. Diese Dienste waren untereinander vernetzt und beherrschten während des 16. Jahrhunderts den größten Teil des privaten und kaufmännischen Briefverkehrs. Ihr Niedergang erfolgte erst nach dem Dreißigjährigen Krieg.


Entwicklung außerhalb Europas


Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches gelang es den Arabern, ein Weltreich aufzubauen, das sich von Persien bis nach Spanien erstreckte. Die schon bestehenden Postverbindungen wurden während dieser Zeit stark ausgebaut - so entstand ein gut organisiertes Postwesen, das sogar die Taubenpost nutzte. Die Postkuriere erhielten eine besondere Kennzeichnung, damit sie schon von Weitem zu erkennen waren: ihnen wurde ein Täfelchen, das als Ausweis diente, mittels einer gelben Schärpe um den Hals gehängt.




Inkabote mit Quipu


Auch den Inka gelang es während ihrer Blütezeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, ein wohlorganisiertes Botensystem einzurichten. Für die Boten, den Chasqui, wurden in regelmäßigen Abständen von 3 bis 5 km an den wichtigsten Straßen des Reiches Posthäuser (Tambos) eingerichtet. Vor dem Häuschen warteten stets zwei Boten auf ihren Einsatz. Erspähten sie einen anderen Boten in der Ferne, so eilten sie ihm entgegen und nahmen ihm die zu überbringenden Nachrichten ab. Bei besonders wichtigen oder eiligen Mitteilungen machten sich die nahenden Boten zusätzlich durch eine Schneckentrompete bemerkbar. Da die Inka als schriftlose Hochkultur gelten und bislang nicht geklärt ist, ob sie ihre Knotenschrift auch für andere Informationen als das Speichern von Zahlen verwendeten, bleibt unsicher, ob die Boten die meisten Nachrichten nicht eher mündlich weitergegeben haben.
Auch während der Blütezeit der Maya-Kultur bestand ein ausgefeiltes Botensystem. Doch ist darüber nur wenig bekannt.


Frühe Neuzeit
Europa




Postalischer Eintrag mit Nennung von Janetto, Franz und Johann Baptista von Taxis in den "Innsbrucker Raitbüchern" 1490
Seit dem 13. Jahrhundert boten Herbergen in Spanien, in Italien und in Deutschland Leihpferde an Reisestraßen an. Erste staatliche Stafetten entstanden schon vor 1400 im Herzogtum Mailand. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unterhielt dann König Ludwig XI. aus Frankreich einige Postenketten mit Pferdewechsel. Die erste zeitlich und räumlich zentral organisierte Postverbindung wurde im Jahr 1490 durch Janetto mithilfe seines Bruders Franz von Taxis zwischen dem Hof Maximilians I. in Innsbruck und jenem seines minderjährigen Sohnes Philipp in den Burgundischen Niederlanden eingerichtet. Als Philipp nach dem Tod Isabellas im November 1504 kastilischer König wurde, verlängerte Franz von Taxis seine Postlinien bis nach Kastilien. 1516 erhielt er vom spanischen König und späteren Kaiser Karl V. das Privileg eines Hauptpostmeisters der Niederlande. Die Postkurse wurden je nach Bedarf bis Rom, Neapel, Verona und zu anderen Städten ausgedehnt.
Es ist beachtlich, dass durch die straffe Organisation des Franz von Taxis, die einen rationellen Reiter- und Pferdewechsel an Poststationen festlegte, täglich im Durchschnitt 166 Kilometer Postweg bewältigt werden konnten. Das ist nicht viel weniger als von Frankfurt am Main nach Köln – und man schrieb damals erst das Jahr 1520.


Zu Beginn war die Post für den privaten Briefverkehr gesperrt. Es durften nur Briefe und Kleingüter aus dem dynastischen Bereich befördert werden. Nach 1520 nahm die unerlaubte Beförderung der Privatpost auf der Niederländischen Postroute einen solchen Umfang an, dass sie zunächst stillschweigend geduldet und schließlich genehmigt wurde. Neben Briefen und ähnlichen Sendungen beförderte die Post auch Personen, die mit Begleitung von Poststation zu Poststation reisten und dabei die Reitpferde wechselten .


Im Jahre 1596 wurde Leonhard I. von Taxis zum Generaloberstpostmeister im Deutschen Reich ernannt. Das Postwesen selbst galt seit 1597 als kaiserliches Regal. 1624 wurde Lamoral von Taxis in den Reichsgrafenstand erhoben und mit dem Lehen des Generaloberstpostmeisters bedacht. In den österreichischen Erblanden ging das Postlehen 1624 auf das Haus der von Paar über.
Der zunehmende Postverkehr führte schon früh zu Versuchen administrativer Verbesserungen und Vereinfachungen. Sie galten vorwiegend der Abschaffung postalischer Unzulänglichkeiten bei der Zustellung, der Verminderung hoher Verlustquoten der Sendungen, dem Wunsch nach größerer Sicherheit für die der Post anvertrauten Briefe und Güter und der Einstellung zuverlässiger Boten, die ausreichenden Lohn erhalten sollten.


Entwicklung des Portowesens
Empfänger zahlt Gebühr


Nach einem Portostreit gab es im Mai 1534 erstmals eine Absprache zwischen dem Generalpostmeister Johann Baptista von Taxis in den Niederlanden, Mapheo von Taxis in Spanien und Simon von Taxis in Mailand. Als Schiedsrichter fungierte der Postmeister Johann Anton von Taxis aus Augsburg. Danach entschied der Großen Rat zu Mecheln den Streit.
Zu Beginn der regulären Postdienste gab es keinen einheitlichen Tarif für private Kunden. Die Höhe der Beförderungsgebühr wurde nach dem Gewicht der Postsache und der Entfernung errechnet. Die Entrichtung der Beförderungsgebühren, also der Summe, die heute mit dem Wort Porto bezeichnet wird, wurde nicht durch den Absender beglichen, sondern der Empfänger bezahlte an den Postillon die Gebühren. Der Postunternehmer verlangte die Bezahlung für die Zustellung erst, nachdem er sie vorgenommen hatte.
Möglicherweise spielte auch der Gedanke eine Rolle, dass der Absender, in Ungewissheit über das Schicksal seiner der Post übergebenen Sendung, im Vorhinein gar nicht hatte zahlen wollen. Gewiss hat auch der Gesichtspunkt seine Berechtigung, dass der Postunternehmer, wissend, dass erst bei der Zustellung der Sendung die Beförderungsgebühr entrichtet wird, alles daransetzte, dass seine Boten so zuverlässig und so gut wie möglich arbeiteten und auf kürzestem Weg und in raschester Weise die ihnen aufgetragenen Ziele erreichten.
So schrieb Malherbes am 8. Juni 1621 seinem Freund Claude Fabri, Parlamentsrat der Provence:
„Zögern Sie nicht, wenn es Ihnen beliebt, mir zu schreiben und die Beförderungsgebühr bei mir kassieren zu lassen, auf dass die Postboten williger seien, es schnell zu tun.“
Die Bezahlung der Postsendung durch den Empfänger ermöglichte auch zu einer Zeit, als es noch keine Freimarken gab, Briefe einfach in eine der Sammelbüchsen zu werfen, aus denen sie der Postverwalter zusammenholte, so dass die oft beschwerlichen Einlieferungen beim Postamt vermieden werden konnten.


Absender zahlt Gebühr
Im deutschen Kaiserreich


Ein früher Beleg für vorausbezahltes Porto ist der Stundenpass von 1506 auf der Postroute von Mecheln nach Innsbruck. Nach diesem Stundenpass übernahm einer der Postreiter beim Vorbeiritt an Speyer ein Päckchen für die Welser. Er erhielt mehrere Gulden zur Weiterbeförderung von Söflingen bei Ulm nach Augsburg.


Frankreich


Ein französischer Beleg für eine Postsendung, bei der die Gebühr vom Absender gegen Quittung des Annahmepostamtes bezahlt wurde, stammt vom 18. Juli 1653, als Jean-Jacques Renouard de Villayer von Ludwig XIV. eine „königliche Erlaubnis“ erhielt, Briefe von einem Pariser Bezirk nach dem anderen zu tragen.
Dieses königliche Privileg war nicht nur für Monsieur de Villayer ausgefertigt worden, sondern es trug noch den Namen des Grafen de Nogent, der aber nie an diesem Postdienst teilnahm – es sei denn vielleicht am Gewinn. Er wäre damit ein früher Vorläufer jener „Beziehungsverwerter“, die für ihre Auftraggeber vorteilhafte Verträge erreichen.
Monsieur de Villayer ließ durch Maueranschläge in Paris seine neue Posteinrichtung affichieren.



  • In erster Linie wies er darauf hin, dass die Boten viel schneller arbeiten würden, da sie ja nicht beim Empfänger auf die Bezahlung der von ihnen übergebenen Sendung zu warten brauchten.

  • Der zweite Hinweis besagte, dass es nur richtig und in Ordnung sei, wenn jener, der einen Brief an einen anderen schicke, der ihn vielleicht gar nicht haben wolle, für die Zustellung bezahle.

  • Und das dritte Argument entsprach am stärksten dem französischen Esprit:


„Durch meine Post können viele Leute an Personen schreiben, denen sie aus besonderer Höflichkeit nicht zumuten möchten, die Postgebühr zu bezahlen, und außerdem können sie auch ihrem Advokaten oder Bevollmächtigten oder Lieferanten Nachricht geben, ohne ihnen Kosten zu verursachen.“
„Am… Tage des Jahres Tausendsechshundertund…fünfzig bezahltes Porto…“
war der Text der Quittung, die das Unternehmen Villayers, nach Einfügung von Datum und Betrag, dem Absender als ihm verbleibenden Beleg ausstellte. Diese Portoquittung, die nur wegen ihres Formates, der handschriftlichen Angaben und des Fehlens einer Gummierung keine Briefmarke in unserem Sinne darstellt, wurde an den zu befördernden Brief, bevor er in einen der Villayerschen Briefkästen geworfen wurde, dergestalt befestigt, dass „der Postbote bei der Zustellung sie genau sehen und leicht von dem Brief loslösen kann“.
Monsieur de Villayer gestattete auch die Beifügung eines unausgefüllten Portozahlscheines neben dem der Beförderung dienenden ausgefüllten, damit der Empfänger antworten konnte, wenn er willens war, ohne sich dabei in Unkosten zu stürzen. Damit schuf er das Urbild des Antwort-Porto-Gutscheins, der bis auf unsere Tage benutzt wird.


Die Grundidee der Freimarke war damit geboren.
Die von dem Postboten bei der Verwaltung des Villayerschen Unternehmens abgelieferten Portoquittungen dienten wohl nur Berechnungszwecken. Sie wurden später vernichtet, schon um einen eventuellen Missbrauch durch nochmalige Verwendung auszuschließen. Unausgefüllte Postquittungen dürften kaum in größeren Mengen gehortet worden sein. Und Villayers Post war nur von kurzer Lebensdauer, denn im Jahre 1662 verlangte bereits, infolge der Einstellung seines Unternehmens, eine Dame spanischen Ursprungs – Doña Molina y Espinos – ein neues königliches Privileg. So ist kein einziges „Billet de porte payé“ erhalten geblieben, sowenig wie irgendeine der zusätzlichen anderen Quittungen, die der erfindungsreiche Monsieur de Villayer im Justizpalast von Paris vertrieben hatte. Es waren Vordrucke mit häufig wiederkehrenden Texten und einem freigelassenen Raum zum handschriftlichen Ergänzen durch Eintragung von Datum und Namen. Der Wortlaut war wie etwa jener der vorgedruckten „Binnenbriefe“ unserer Tage:
„Herrn… Falls Sie nicht binnen drei Tagen den Betrag von… an uns bezahlen…“
Nur ein Text eines solchen Passepartout wurde im Jahre 1838 von dem Vizedirektor der Pariser Postverwaltung, Piron, in seinem Buch Der Postdienst und die Freimachung von Briefen mittels einer Marke veröffentlicht.






Ursprünge der Zeitung


Nach der Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts (1445) waren neben der Buchproduktion bald auch Pressedrucke im eigentlichen Sinn, die Einblattdrucke aufgekommen - teilweise mit Graphiken (Holzschnitten, Kupferstichen) illustrierte, einseitig bedruckte, ereignisbezogene, also nicht-periodisch erscheinende Blätter (mehr dazu im Aufsatz Flugblatt). Solche Einblattdrucke (wie auch mehrseitige Flugschriften jener Zeit) trugen gelegentlich den Titel „Newe Zeitung von …“ = „neue Nachricht von ...“. Diese Praxis mag dazu beigetragen haben, dass sich die Bedeutung des Begriffs „Zeitung“ allmählich von „Nachricht“ auf den Nachrichtenträger selbst, das Medium (der „Zeitungen“ = Nachrichten), verschob.


Ende des 17. Jahrhunderts war diese Bedeutungsverschiebung abgeschlossen. Seither ist eine „Zeitung“ ein mit Nachrichten aus aller Welt gefülltes mehrseitiges Druckwerk, das mindestens einmal in der Woche öffentlich vertrieben wird.


Erste Zeitungen


Der Begriff Zeitung tauchte als „zidunge“ mit der Bedeutung „Kunde“ oder „Nachricht“ im Raum Köln bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts auf und wurde für mündliche oder schriftliche Botschaften bis ins 19. Jahrhundert gebraucht. Das Wort tidinge aus dem mittelniederdeutschen oder mittelniederländischen bedeutet so viel wie Botschaft oder Nachricht.


Die Pressegeschichte im weiteren Sinne reicht zurück bis zu den Kaufmannsbriefen, die seit 1380 nachweisbar erschienen. Das erste gedruckte Nachrichtenblatt, das die Bezeichnung einer Zeitung im modernen Sinn verdient, ist die Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien (häufig in der Forschung auch nur als „Relation“ bezeichnet). Sie erschien ab dem Herbst des Jahres 1605 in Straßburg im Elsass. Gegründet wurde sie von Johann Carolus und sie wurde, wie durch den überlieferten Jahrgang 1609 belegt, wöchentlich einmal ausgegeben.
Eine Quelle dafür ist die (undatierte) Supplik des Carolus an den Straßburger Rat, in der er ein Privileg (d. h. das Monopol der Herstellung) für sein neuartiges Druckwerk in Straßburg erbittet. In der Begründung schreibt Carolus, er habe seit einigen Wochen und jetzt das zwöhlffte Mahl ein gedrucktes Blatt herausgebracht. Der Rat Straßburgs lehnte die Eingabe am 21. Dezember 1605 ab. Da solche Suppliken vom Rat gewohnheitsmäßig unmittelbar nach ihrem Eingang behandelt wurden, dürfte des Carolus Bittschrift frühestens eine Woche vor dem 21. Dezember verfasst worden sein. Zurückgerechnet muss der Beginn des Zeitungsdrucks also auf Ende September oder Anfang Oktober 1605 zu datieren sein. Die älteste erhaltene Ausgabe dieser Zeitung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1609.


Als die erste regelmäßig erscheinende Zeitung auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gilt der „Aviso, Relation oder Zeitung“. Dies war eine Wochenzeitung, deren erste Nummer am 15. Januar 1609 in Wolfenbüttel erschien.
Im Jahr 1650 erscheint in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Ausgaben pro Woche. Die älteste noch erscheinende Zeitung ist die seit 1645 in Schweden erscheinende Post- och Inrikes Tidningar. Die Tageszeitung blieb zunächst eine Ausnahme, ihre interessanteste Funktion gewann sie vor dem 19. Jahrhundert mit der seit 1702 in London erscheinenden Daily Courant, dem Blatt, das die Funktionen des Veranstaltungskalenders der Großstadt übernahm (in kleineren Städten wurden die lokalen Veranstaltungen rascher durch den Ausruf vermeldet).



19. Jahrhundert


Im 19. Jahrhundert entstand die Massenpresse, was zum großen Teil der technischen Neuerungen der Druckpressen lag. 1812 wurde die Schnellpresse erfunden, 1845 die Rotationsmaschinen und 1884 die Linotype-Setzmaschine. Außerdem stieg weiterhin das Interesse der Bevölkerung an Informationen aus Politik und Gesellschaft.
Zudem wurde das staatliche Anzeigenmonopol aufgehoben, dadurch entstand für das Zeitungswesen die zweite Einnahmequelle – der Anzeigenverkauf. Durch den Anzeigenverkauf konnte nun die Zeitung selbst günstiger verkauft werden, was zu einer wesentlich größeren Verbreitung führte. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland circa 3500 Zeitungen.
1835 wurde die erste Nachrichtenagentur gegründet, die Agence Havas in Paris.
Durch die Paulskirchenverfassung wird 1848 die Pressefreiheit gesetzlich verankert und 1874 dann in die Reichpressegesetze übernommen.
Die Ära der großen Berliner Tageszeitungen beginnt 1872 mit der Gründung des Berliner Tageblatts Rudolf Mosse
Mehr zur Geschichte der Zeitungen unter Pressegeschichte und den einzelnen Artikeln.


20. Jahrhundert: Die 20er Jahre


Die große Zeit der Zeitungen war vor der Erfindung des Radios, als Verlagsobjekte aus den Berliner Mosse-, Scherl- und Ullstein-Verlagen teilweise viermal am Tag erschienen: Morgenausgabe, Mittagsausgabe, Abendausgabe, Nachtausgabe. Die weltweit schnellsten Zeitungs-Rotationspressen standen damals an der Spree.
Die reiche Zeitungskultur der Zwanziger Jahre wurde neben den Neuen Medien, Radio und Fernsehen in Deutschland auch durch Konzentrationsprozesse (Hugenberg-Konzern) und so genannte Arisierungen (Amann-Verlag) während der Zeit des Nationalsozialismus ab- und aufgelöst.
Schon während des Ersten Weltkrieges und auch später in der Weimarer Republik ist die Pressefreiheit nicht gesetzlich gewährleistet. Während des Dritten Reichs wird das Pressewesen gleichgeschaltet und von staatlichen Stellen, wie der Reichspressekammer, streng kontrolliert.
Konzentrationsprozesse und Zusammenschlüsse der Presse halten aus meist wirtschaftlichen Gründen bis heute an (Mantelzeitungen).




Die Zeitungen und die Neuen Medien


Seit Ende des 20. Jahrhunderts ergänzen viele Zeitungsverlage ihre gedruckten Ausgaben durch Internet-Präsenzen. Vorreiter dieser Entwicklung in Deutschland war die Schweriner Volkszeitung, deren Webauftritt bereits am 5. Mai 1995 online ging. Sie war damit die erste deutsche Tageszeitung im Internet.


Außerdem werden die Neuen Medien von den etablierten Zeitungsverlagen mehr oder weniger geschickt zur Cross-Promotion genutzt. Die gedruckten Ausgaben der Zeitungen verlieren kontinuierlich an Auflage. Die Leser wandern zunehmend zu deren Internetportalen ab. Einige Redaktionen bewerten ihre Online-Ausgabe mittlerweile als zumindest gleichberechtigt mit ihrer Print-Ausgabe. Die "New York Times" - fraglos eine der bedeutendsten Zeitungen der Welt - erwägt sogar die Einstellung der Druckausgabe: „Ob die ‚New York Times‘ in fünf Jahren noch gedruckt wird, ist mir egal“, so Herausgeber Arthur Ochs Sulzberger jr. Anfang 2007. Auch eine Analyse des Meinungsforschungsinstitutes Allensbach belegt, dass bei jungen Menschen die Bedeutung der Zeitung zugunsten des Internets stark abnimmt. Eine weitere Studie zeigt das Überlaufen von Lesern von Zeitungen zu Onlinenachrichten.



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